Hochformat, Quadrat oder Querformat? Welches Videoformat Makler für welchen Kanal nutzen sollten
Sie haben ein schönes Video Ihres neuen Objekts gedreht. Sie posten es auf Instagram, Facebook und YouTube und schicken es per WhatsApp an ein paar Interessenten. Doch in den Reels erscheint es winzig, mit schwarzen Balken oben und unten. Im Feed ist der Text abgeschnitten. Und auf dem Portal wirkt das Hochformat-Video wie ein schmaler Flur mitten auf einem riesigen Bildschirm. Gleiche Immobilie, gleiches Video, aber völlig unterschiedliche Wirkung je nach Kanal.
Das Videoformat, also das Verhältnis von Breite zu Höhe, ist eines der am meisten unterschätzten Details im Immobilienmarketing. In diesem Leitfaden zeigen wir, welches Format auf welchen Kanal gehört, welche Länge sinnvoll ist, wo Text und Logo platziert werden sollten und wie Sie einmal produzieren und für alle Kanäle exportieren, ohne doppelte Arbeit.
Warum das Format so wichtig ist
Es gibt drei einfache Gründe, das Format ernst zu nehmen:
- Videos werden auf dem Smartphone geschaut. Der Großteil der Social-Media-Nutzung findet auf einem hochkant gehaltenen Bildschirm statt. Ein Querformat-Video füllt dort nur einen schmalen Streifen.
- Plattformen beschneiden oder benachteiligen falsche Formate. Jedes Netzwerk hat sein bevorzugtes Format. Passt das Video nicht, schneidet die Plattform die Ränder ab, fügt Balken hinzu oder spielt es schlicht weniger Menschen aus.
- Vollbild bindet mehr Aufmerksamkeit. Ein Hochformat-Video im Vollbild blendet alle Ablenkungen aus: keine anderen Beiträge daneben, nur Ihre Immobilie. Deshalb halten vertikale Formate Zuschauer in sozialen Netzwerken meist länger.
Die drei Formate im Überblick
9:16 Hochformat
Das native Format für Instagram Reels, TikTok, YouTube Shorts, Stories (Instagram und Facebook) und den WhatsApp-Status. Es füllt den gesamten Smartphone-Bildschirm und bietet derzeit das größte Potenzial für organische Reichweite. Ideal für schnelle Rundgänge, Highlights („die Küche, die jeder will“), Blicke hinter die Kulissen und Vorstellungsvideos des Maklers.
1:1 Quadrat und 4:5 Hochkant
Die Formate für den Instagram- und Facebook-Feed sowie für viele bezahlte Anzeigen. 4:5 nimmt im Feed mehr Höhe ein als das Quadrat und fällt beim Scrollen daher stärker auf. 1:1 bleibt praktisch, wenn dasselbe Motiv in mehreren Anzeigenplatzierungen funktionieren muss.
16:9 Querformat
Das klassische Fernsehformat. Es ist die richtige Wahl für längere YouTube-Videos, für Immobilienportale wie ImmoScout24 oder Immowelt, für die Website des Maklerbüros und für Präsentationen auf Fernseher oder Laptop, etwa beim Akquisetermin mit dem Eigentümer. Es zeigt die Weite der Räume besser und wirkt seriöser.
Kanal für Kanal: der Überblick
- Instagram Reels: 9:16, Vollbild.
- Instagram-Feed: 4:5 (oder 1:1).
- Instagram- und Facebook-Stories: 9:16.
- Facebook-Feed: 4:5 oder 1:1.
- TikTok: 9:16.
- YouTube Shorts: 9:16.
- YouTube (lange Videos): 16:9.
- WhatsApp-Status: 9:16.
- Direktnachricht per WhatsApp an Interessenten: 9:16 oder 4:5, optimiert für das Smartphone.
- Immobilienportale wie ImmoScout24: 16:9, meist per YouTube-Link oder Video-Upload.
- Makler-Website und Exposé-Seite: 16:9 (optional zusätzlich 9:16 für die mobile Ansicht).
- Bezahlte Anzeigen (Meta): 4:5 für den Feed, 9:16 für Stories und Reels.
- Akquisetermin / Fernseher: 16:9.
Ideale Videolängen pro Kanal
Feste Regeln gibt es nicht, und die Plattformen ändern ihre Grenzen regelmäßig. Verstehen Sie diese Angaben als Richtwerte:
- Reels, TikTok und Shorts: kurz, meist 15 bis 45 Sekunden. Das Wichtigste muss in den ersten Sekunden kommen.
- Stories und WhatsApp-Status: kurze Abschnitte von wenigen Sekunden, als Folge von 3 bis 5 Stories.
- Instagram- und Facebook-Feed: 30 bis 60 Sekunden funktionieren meist gut.
- Anzeigen: kurz und direkt, idealerweise unter 30 Sekunden.
- YouTube und Portale: hier ist Platz für Details, 1 bis 3 Minuten für einen vollständigen Rundgang.
- Akquisetermin: 1 bis 2 Minuten, um dem Eigentümer zu zeigen, wie seine Immobilie präsentiert wird.
So drehen Sie einmal für alle Formate
Sie müssen nicht dreimal zum Objekt fahren. Planen Sie den Zuschnitt einfach von Anfang an mit:
- Motiv zentrieren. Steht das Hauptmotiv (die Kücheninsel, das Fenster mit Ausblick) in der Bildmitte, übersteht es jeden Zuschnitt.
- In hoher Auflösung drehen. Aufnahmen in 4K im Querformat lassen genug Reserve, um eine Hochformat-Version ohne großen Qualitätsverlust herauszuschneiden.
- Oder direkt im Hochformat drehen, wenn Social Media im Fokus steht. Läuft der Großteil Ihrer Verbreitung über Reels und Stories, drehen Sie hochkant und akzeptieren eine einfachere 16:9-Version fürs Portal.
- Ränder lassen. Wichtige Elemente nicht an den Bildrand setzen; lassen Sie Luft für den Zuschnitt.
- Langsame, ruhige Bewegungen. Langsame Schwenks funktionieren in jedem Format; hektische Bewegungen wirken nach dem Zuschnitt noch unruhiger.
- Auch Fotos zählen. Hochauflösende, professionelle Immobilienfotos lassen sich in jedem Seitenverhältnis zu einem Video machen, sofern die Bildkomposition Raum für den Zuschnitt lässt.
Text, Untertitel und Logo: sichere Bereiche je Format
Jede Plattform legt ihre Bedienelemente über das Video: Like-Buttons, Kommentare, Kontoname, Beschreibung. Liegt Ihr Text darunter, liest ihn niemand.
- 9:16: den unteren Streifen (Beschreibung und Musik) und den rechten Rand (Buttons) meiden. Text und Untertitel in den mittleren Bereich, leicht oberhalb der Mitte. Auch den oberen Rand mit dem Kontonamen frei lassen.
- 4:5 und 1:1: weniger Bedienelemente, aber trotzdem rundum einen Sicherheitsabstand einhalten. In der Profilansicht können die Ränder beschnitten werden.
- 16:9: Untertitel unten zentriert, dezentes Logo in einer oberen Ecke. Bei YouTube die letzten Sekunden frei halten, wenn Sie Abspanne nutzen.
Faustregel: große Schrift, wenige Worte, starker Kontrast. Preis, Zimmerzahl und Lage müssen auf dem Smartphone ohne Zoomen lesbar sein.
Typische Fehler, die Sie vermeiden sollten
- Schwarze Balken. Ein 16:9-Video mit Balken oben und unten in den Reels wirkt sofort unprofessionell und verliert Aufmerksamkeit.
- Querformat in Reels oder TikTok. Auch ohne Balken wird ein kleines Video in der Bildschirmmitte einfach weggewischt.
- Winzige Schrift. Was am Computer lesbar aussieht, verschwindet auf dem Smartphone.
- Abgeschnittene Räume. Ein schlechter automatischer Zuschnitt kann das halbe Wohnzimmer oder genau den Ausblick entfernen, der die Immobilie verkauft.
- Text unter den Bedienelementen. Der Kaufpreis versteckt hinter dem Kommentar-Button.
- Ein Video für alles. Exakt dieselbe Datei auf allen Kanälen bringt selten auf irgendeinem Kanal das beste Ergebnis.
Der richtige Workflow: einmal produzieren, mehrfach exportieren
Die Lösung ist nicht dreifache Arbeit, sondern ein durchdachter Ablauf:
- Material einmal sammeln: professionelle Fotos und auf Wunsch einige Videoclips, mit Blick auf den späteren Zuschnitt.
- Basisvideo erstellen: Aufbau, Musik und Texteinblendungen mit den wichtigsten Eckdaten.
- In 9:16, 4:5 und 16:9 exportieren und den Text an die sicheren Bereiche jedes Formats anpassen.
- Jede Version im passenden Kanal veröffentlichen.
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Wöchentliche Checkliste für die Verbreitung
Für jedes neue Objekt (oder jede Top-Immobilie) empfiehlt sich diese Routine:
- Montag: das 9:16-Reel auf Instagram posten und in den Stories mit Link- oder Frage-Sticker teilen.
- Dienstag: dasselbe 9:16-Video auf TikTok und als YouTube Short veröffentlichen.
- Mittwoch: die 4:5-Version im Instagram- und Facebook-Feed posten.
- Donnerstag: die 16:9-Version auf YouTube hochladen und im Inserat auf ImmoScout24 sowie auf der eigenen Website verlinken.
- Freitag: im WhatsApp-Status posten und das Video direkt an passende Suchkunden schicken.
- Die ganze Woche: bei bezahlten Anzeigen 4:5 im Feed und 9:16 in Reels und Stories einsetzen.
- Akquisetermine: immer ein 16:9-Beispiel bereithalten, um es dem Eigentümer auf Fernseher oder Laptop zu zeigen.
Fazit
Hochformat, Quadrat oder Querformat ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Frage des Kanals. 9:16 gewinnt die Aufmerksamkeit in sozialen Netzwerken, 4:5 und 1:1 dominieren Feed und Anzeigen, und 16:9 bleibt das richtige Format für YouTube, Immobilienportale, Website und Eigentümerpräsentationen. Wer das Format schon beim Dreh mitdenkt und mehrere Versionen desselben Videos exportiert, lässt jede Immobilie auf jedem Bildschirm optimal wirken.
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