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Immobilie mit Mängeln verkaufen: Wie Makler mit Transparenz trotzdem zum Abschluss kommen
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Immobilie mit Mängeln verkaufen: Wie Makler mit Transparenz trotzdem zum Abschluss kommen

9. Oktober 20267 Min. Lesezeit

Keine Immobilie ist perfekt. Doch bei manchen Objekten liegen die Probleme offen: feuchte Wände im Schlafzimmer auf der Nordseite, ein Sicherungskasten aus den Siebzigern, ein Riss quer durch die Wohnzimmerwand, ein Dach, das nur bei Starkregen tropft, ein ausgebautes Dachgeschoss ohne Baugenehmigung oder Unterlagen, die nicht zum tatsächlichen Zustand passen. Viele Eigentümer reagieren darauf gleich: „Wir sagen lieber nichts, mal sehen, ob es jemand merkt."

Für den Makler ist das die schlechteste aller Strategien. Eine Immobilie mit Mängeln lässt sich verkaufen — oft schnell und zu einem fairen Preis —, sofern die Probleme erkannt, beziffert und richtig kommuniziert werden. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie Transparenz von Anfang bis Ende steuern, von der Akquise bis zum Notartermin, ohne den Abschluss unterwegs zu verlieren.

Warum verschwiegene Mängel den Verkauf zum Scheitern bringen

Ein verschwiegener Mangel verschwindet nicht; er wird nur später entdeckt — und meist im ungünstigsten Moment.

  • Gutachter und Bankbewertung finden ihn: der Sachverständige der Bank oder der vom Käufer beauftragte Gutachter sieht Feuchtigkeit, Risse und Flächen, die in keinem Plan auftauchen. Der Beleihungswert sinkt, die Finanzierung wackelt.
  • Abschlüsse platzen kurz vor dem Notar: ein ungenehmigter Anbau oder eine fehlende Unterlage kann den Notartermin verschieben oder ganz verhindern — nach Wochen der Arbeit und mit einem Käufer, der sich längst festgelegt hat.
  • Rechtliche Haftung: das arglistige Verschweigen bekannter Mängel kann zu Minderung, Schadensersatz oder sogar zur Rückabwicklung des Kaufs führen — für den Verkäufer und unter Umständen auch für den Vermittler.
  • Ruf: ein getäuschter Käufer erzählt es weiter. Ein durch Schweigen „geretteter" Verkauf kann Sie Dutzende künftiger Aufträge kosten.

Bestandsaufnahme vor der Vermarktung: das Objekt besser kennen als der Käufer

Die Arbeit beginnt, bevor die Immobilie online geht. Gehen Sie mit dem Eigentümer Raum für Raum durch das Objekt, mit einer Checkliste und direkten Fragen. Es geht nicht ums Urteilen, sondern ums Vorbereiten.

  • Feuchtigkeit und Wassereintritt: Flecken, Schimmel, abblätternde Farbe, muffiger Geruch, feuchter Keller.
  • Dach und Dachrinnen: verschobene oder gebrochene Ziegel, verstopfte Rinnen, Wasserflecken an den Decken im Obergeschoss.
  • Elektrik: alter Sicherungskasten, kein FI-Schutzschalter, Steckdosen ohne Schutzleiter, veraltete Leitungen.
  • Bausubstanz: Risse in Wänden und Decken, klemmende Türen, unebene Böden.
  • Sanitär und Abwasser: Wasserdruck, Undichtigkeiten, alte Blei- oder Stahlleitungen, langsam ablaufende Abflüsse.
  • Genehmigungen und Unterlagen: Anbauten, Wintergärten, ausgebaute Dachgeschosse oder umgenutzte Garagen ohne Genehmigung; Grundbuchauszug, Baupläne, Wohnflächenberechnung, Energieausweis.

Lassen Sie den Eigentümer für jeden relevanten Mangel ein oder zwei Angebote von Handwerkern oder Fachleuten einholen. Eine konkrete Zahl verwandelt eine diffuse Angst („das kostet bestimmt ein Vermögen") in einen sachlichen Wert, über den man verhandeln kann.

Beheben, offenlegen oder einpreisen: ein einfaches Modell

Mit Bestandsaufnahme und Angeboten lässt sich jeder Mangel einer von drei Kategorien zuordnen:

  • Beheben: günstige, gut sichtbare Mängel, die mehr abschrecken, als sie kosten — ein Feuchtefleck, dessen Ursache bereits beseitigt ist, ein kaputter Ziegel, eine lose Steckdose. Die Reparatur vor dem Fototermin lohnt sich fast immer.
  • Offenlegen und einpreisen: teure oder aufwendige Mängel — komplette Elektrosanierung, neues Dach, nachträgliche Genehmigung eines Anbaus. Hier ist der beste Weg, Mangel, Angebot und einen Preis zu präsentieren, der beides bereits berücksichtigt.
  • Vor dem Verkauf klären: Punkte, die Finanzierung oder Beurkundung blockieren, etwa fehlende Genehmigungen oder Abweichungen im Grundbuch. Lässt sich das nicht rechtzeitig lösen, muss der Käufer genau wissen, was offen ist und wie lange es dauert.

Die Faustregel: Sind die Kosten niedrig und ist die optische Wirkung groß, beheben. Sind die Kosten hoch und will der Käufer selbst entscheiden, wie saniert wird, offenlegen und den Preis anpassen.

Mängel auf Basis von Handwerkerangeboten einpreisen

Der klassische Fehler ist ein Abschlag nach Gefühl. Wer einen Mangel sieht, stellt sich das schlimmste Szenario vor und zieht gern das Doppelte der tatsächlichen Kosten ab. Das vermeiden Sie, indem Sie das Gespräch an Zahlen festmachen.

  • Ausgangspunkt ist der Marktwert der Immobilie in gutem Zustand, gestützt auf aktuelle Vergleichsobjekte.
  • Davon ziehen Sie die angebotenen Kosten der notwendigen Arbeiten ab, plus einen moderaten Puffer.
  • Berücksichtigen Sie Aufwand und Bauzeit: Eigennutzer schätzen es, sofort einziehen zu können.
  • Legen Sie dem Eigentümer diese Rechnung schriftlich vor, damit die Preisentscheidung informiert und nicht emotional fällt.

Mängel im Exposé und bei der Besichtigung präsentieren

Transparenz heißt nicht, das Exposé mit einer Mängelliste zu beginnen. Es heißt, ehrlich und im richtigen Moment einzuordnen.

  • Im Exposé: klare, positive Formulierungen — „sanierungsbedürftig", „ideal für Käufer mit eigenen Ideen", „Preis berücksichtigt den Renovierungsbedarf".
  • Bei der Besichtigung: warten Sie nicht, bis der Käufer den Fleck an der Decke entdeckt. Zeigen Sie ihn, erklären Sie die Ursache und legen Sie das Angebot vor.
  • Liste bekannter Mängel: erstellen Sie ein einfaches Dokument mit jedem Mangel, der wahrscheinlichen Ursache, dem eingeholten Angebot und dem Stand der Unterlagen. Übergeben Sie es allen ernsthaften Interessenten.
  • Ton: ruhig und sachlich. Wer souverän über ein Problem spricht, signalisiert Kontrolle; wer zögert, signalisiert, dass noch mehr verborgen ist.

Die richtigen Käufer ansprechen

Eine Immobilie mit Mängeln ist nicht für jeden — und muss es auch nicht sein. Konzentrieren Sie die Vermarktung auf Menschen, die in der Sanierung eine Chance sehen:

  • Investoren, die kaufen, sanieren und weiterverkaufen oder vermieten.
  • Käufer, die ein Projekt suchen und lieber nach eigenem Geschmack renovieren, als für Ausstattung zu zahlen, die ihnen nicht gefällt.
  • Handwerker, Bauunternehmer und Architekten, die die Arbeiten günstiger selbst ausführen können.
  • Familien mit begrenztem Budget, die schrittweise sanieren, um in eine bessere Lage zu ziehen.

Segmentieren Sie Ihre Kontaktdatenbank und bieten Sie das Objekt diesen Zielgruppen zuerst per Telefon und E-Mail an, bevor es breit am Markt erscheint.

Einwände und Verhandlung: Angebote statt Emotionen

Kommt ein Kaufangebot, wird der Käufer die Mängel nutzen, um den Preis zu drücken. Das ist legitim — und genau hier zahlt sich die Vorbereitung aus.

  • Berücksichtigt der Angebotspreis den Mangel bereits, sagen Sie das mit dem Handwerkerangebot in der Hand: Der Abschlag ist schon gewährt.
  • Bringt der Käufer ein höheres Angebot oder ein kritisches Gutachten mit, gehen Sie es Position für Position durch, statt über Pauschalbeträge zu streiten.
  • Bieten Sie Alternativen zur Preissenkung an: Der Verkäufer lässt die Reparatur vor der Übergabe ausführen, oder es wird ein fester Abschlagsbetrag vereinbart.
  • Halten Sie das Gespräch auf der fachlichen Ebene. „Zwei Handwerker beziffern das mit X" bringt Abschlüsse; „das Haus ist viel mehr wert" nicht.

Dokumentation und lückenlose Nachweise

Alles Besprochene gehört schriftlich festgehalten. Bewahren Sie die vom Käufer bestätigte Mängelliste (unterschrieben oder per E-Mail quittiert), die Angebote, Fotos vom Zustand der Immobilie und die Hinweise auf Mängel im Kaufvertragsentwurf auf. Diese Dokumentation schützt Verkäufer, Käufer und Makler.

Die gesetzlichen Aufklärungspflichten unterscheiden sich je nach Land und Objektart. Empfehlen Sie dem Eigentümer stets, mit einem Rechtsanwalt oder Notar zu klären, was offengelegt werden muss und wie es in den Vertragsunterlagen festgehalten wird.

Das Potenzial zeigen, ohne zu täuschen

Eine Immobilie mit Mängeln verkauft sich über das, was aus ihr werden kann. Bilder der sanierten Version — virtuelles Home Staging, Visualisierungen, alternative Grundrisse — helfen Käufern, über Feuchtigkeit und abgenutzte Böden hinwegzusehen. Die Regel ist einfach: Kennzeichnen Sie solche Bilder immer klar als Simulation und behalten Sie echte Fotos des aktuellen Zustands im Exposé.

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Fazit

Eine Immobilie mit Mängeln zu verkaufen heißt nicht verstecken, sondern vorbereiten: Bestandsaufnahme vor der Vermarktung, konkrete Angebote, eine klare Entscheidung zwischen Beheben und Einpreisen, eine Liste bekannter Mängel, die richtigen Käufer und eine Verhandlung auf Basis von Zahlen. Der Makler, der Transparenz beherrscht, schließt mehr Verkäufe ab, erlebt weniger geplatzte Notartermine und baut einen Ruf auf, der neue Aufträge bringt.

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