Mehrere Angebote für dieselbe Immobilie: Wie Makler ein Bieterverfahren fair führen und das Beste für den Verkäufer erzielen
Das Telefon steht nicht still: Wenige Tage nach dem Vermarktungsstart wollen drei oder vier Interessenten dieselbe Wohnung kaufen. Für den Eigentümer ist das die beste Nachricht überhaupt. Für den Makler ist es einer der heikelsten Momente des gesamten Verkaufs. Ein schlecht geführtes Bieterverfahren endet schnell mit einem misstrauischen Verkäufer, verärgerten Interessenten, einem angekratzten Ruf und manchmal mit einem Kauf, der kurz vor dem Notartermin platzt.
Gut geführt ist es dagegen die Chance, das beste Ergebnis für den Eigentümer zu erzielen, Professionalität zu zeigen und mit einer Liste qualifizierter, finanzierungsstarker Käufer für die nächsten Objekte herauszugehen. Dieser Leitfaden zeigt, wie das Schritt für Schritt gelingt.
Warum mehrere Angebote entstehen
Mehrere Angebote sind selten Zufall. Meist kommen einige Faktoren zusammen:
- Der richtige Angebotspreis: Eine marktgerecht (oder leicht darunter) angesetzte Immobilie zieht viele Käufer gleichzeitig an.
- Ein starker Vermarktungsstart: professionelle Fotos, ein vollständiges Exposé und konzentrierte Werbung in den ersten Tagen erzeugen eine Nachfragewelle.
- Video und Marketing: Ein Immobilienvideo auf den Portalen, in Social Media und per WhatsApp sorgt dafür, dass Interessenten schon überzeugt zur Besichtigung kommen — und schnell entscheiden.
- Knappes Angebot: In gefragten Lagen erzeugt jede gut präsentierte Immobilie Wettbewerb.
Ethische und rechtliche Pflichten des Maklers
Vor der Strategie stehen die Regeln. Die Details unterscheiden sich je nach Land und Berufsverband, prüfen Sie daher immer, was für Ihren Markt und Ihr Unternehmen gilt. Einige Grundsätze gelten aber nahezu überall:
- Transparenz gegenüber dem Eigentümer: Leiten Sie jedes Angebot weiter, am besten schriftlich, auch scheinbar schwache. Die Entscheidung trifft der Eigentümer.
- Keine erfundenen Angebote: "Phantomangebote", um Interessenten unter Druck zu setzen, sind unethisch, zerstören Vertrauen und können rechtliche Folgen haben.
- Faire Behandlung aller Bieter: dieselben Informationen, dieselbe Frist, dieselben Regeln für alle.
- Vertraulichkeit: Geben Sie Beträge und Bedingungen eines Angebots nicht ohne ausdrückliche Zustimmung des Eigentümers an andere Bieter weiter.
- Interessenkonflikte offenlegen: Wenn Sie auch für einen Käufer tätig sind, müssen das alle Beteiligten wissen.
So informieren Sie Interessenten über weitere Angebote
Mit Zustimmung des Eigentümers teilen Sie allen Interessenten mit, dass mehrere Angebote vorliegen. Üblich ist ein Bieterverfahren mit letztem und bestem Angebot bis zu einem festen Termin.
Eine einzige Runde
Alle reichen ihr bestes Angebot bis zum Beispiel Freitag, 18 Uhr, ein. Das ist einfach, schnell und fair. Nachteil: Manche Käufer bleiben unter dem, was sie eigentlich zahlen würden.
Mehrere Runden
Nach der ersten Runde werden die besten Bieter eingeladen nachzubessern. Das kann mehr herausholen, ermüdet aber die Käufer, verlängert das Verfahren und erhöht das Risiko, dass jemand abspringt. Wenn Sie diesen Weg wählen, erklären Sie die Regeln von Anfang an.
In jedem Fall gilt: dieselbe Nachricht an alle — Frist, Form des Angebots (schriftlich, mit Finanzierungsbestätigung oder Eigenkapitalnachweis) und was dem Eigentümer neben dem Preis wichtig ist.
Angebote über den Preis hinaus vergleichen
Das höchste Angebot ist nicht automatisch das beste. Ein Angebot, das an der Finanzierung scheitert, ist nichts wert. Erstellen Sie einen einfachen Vergleich mit denselben Kriterien für alle:
- Kaufpreis: der gebotene Betrag und eventuelle Nachforderungen.
- Finanzierung: Barzahler, verbindliche Finanzierungsbestätigung der Bank oder nur eine unverbindliche Vorabanfrage?
- Eigenkapital: Ein hoher Eigenkapitalanteil senkt das Finanzierungsrisiko.
- Zeitplan bis zum Notartermin: Passt er zu den Plänen des Eigentümers?
- Bedingungen: Gutachten, Bankbewertung, Unterlagen oder andere Vorbehalte.
- Abhängigkeit vom eigenen Verkauf: Muss der Käufer erst seine Immobilie verkaufen?
- Flexibilität beim Übergabetermin: Kann der Eigentümer bei Bedarf noch einige Wochen bleiben?
Ein Praxisbeispiel: Angebot A bietet 520.000 Euro, Finanzierung noch offen, eigene Wohnung muss erst verkauft werden; Angebot B bietet 508.000 Euro mit Finanzierungsbestätigung, hohem Eigenkapital und Notartermin in vier Wochen. Für viele Eigentümer ist B klar die sicherere Wahl.
Eskalationsklauseln und Nachrücker
In manchen Märkten nutzen Käufer Eskalationsklauseln: "Ich biete X und liege Y über dem höchsten Konkurrenzangebot, maximal bis Z." Im deutschsprachigen Raum sind sie unüblich; wenn sie auftauchen, braucht es einen Nachweis des Konkurrenzangebots und eine Prüfung, ob das Vorgehen zur örtlichen Praxis passt.
Nützlicher und universell ist ein Nachrücker: Der zweitbeste Bieter erklärt sich bereit, einzuspringen, falls der Hauptkauf nicht zustande kommt. Halten Sie das schriftlich fest und informieren Sie diesen Käufer regelmäßig.
Schriftliche Zusammenfassung für den Eigentümer
Der Eigentümer sollte eine klare Übersicht erhalten, idealerweise als Tabelle oder Liste mit allen Angeboten nebeneinander: Preis, Finanzierung, Eigenkapital, Zeitplan, Bedingungen und Ihre Risikoeinschätzung. Ergänzen Sie eine begründete Empfehlung, machen Sie aber klar, dass er entscheidet. Dieses Dokument schützt Sie, gibt dem Eigentümer Sicherheit und belegt, dass alle Angebote vorgelegt wurden.
Unterlegene Bieter sind Ihre nächsten Kunden
Nur ein Käufer bekommt die Immobilie. Die anderen sind bis zum Ende dabei geblieben, haben ihre Finanzierung geklärt, wissen, was sie wollen, und sind motiviert. Bessere Kontakte gibt es nicht.
- Persönlich anrufen: Überbringen Sie die Absage nicht nur per E-Mail. Bedanken Sie sich und erklären Sie in allgemeinen Worten, warum die Wahl anders ausfiel.
- Nachrückerposition anbieten: Viele warten gern auf Platz zwei.
- Ähnliche Objekte vorstellen: aus Ihrem Bestand oder von Kollegen, möglichst noch in derselben Woche.
- In Ihr Follow-up aufnehmen: Suchaufträge, regelmäßiger Kontakt und Vorrang bei neuen Besichtigungen.
So entstehen mehrere Angebote von Anfang an
Mehrere Angebote werden bei der Akquise und beim Vermarktungsstart vorbereitet:
- Realistischer Preis: fundierte Marktanalyse und ein offenes Gespräch mit dem Eigentümer.
- Launch-Plan: Portale, Social Media und Ihre Interessentendatenbank, alles am selben Tag.
- Gebündelte Besichtigungstermine: Fassen Sie Besichtigungen auf ein oder zwei Tage zusammen, um sichtbare Nachfrage zu erzeugen.
- Video ab dem ersten Tag: Mit imovpro.ai verwandeln Sie die Objektfotos in wenigen Minuten in ein professionelles Immobilienvideo — bereit für Portale, Instagram und WhatsApp, ganz ohne Filmteam.
Beispiel-Zeitplan für eine Woche mit mehreren Angeboten
Damit es greifbar wird, hier ein typischer Ablauf, den Sie an Ihren Markt anpassen können:
- Montag: Vermarktungsstart auf den Portalen, in Social Media und in Ihrer Interessentendatenbank, mit Fotos und Video.
- Mittwoch und Donnerstag: gebündelte Besichtigungstermine. Notieren Sie, wer eine Finanzierungsbestätigung hat, wer erst verkaufen muss und wer wirklich entschlossen ist.
- Freitagvormittag: Die ersten Angebote gehen ein. Informieren Sie den Eigentümer schriftlich und teilen Sie mit seiner Zustimmung allen Interessenten die Frist für das letzte und beste Angebot mit.
- Sonntag, 18 Uhr: Die Frist endet. Erstellen Sie noch am Abend die Vergleichsübersicht.
- Montag: Gespräch mit dem Eigentümer, Entscheidung, Zusage an den gewählten Käufer, Nachrückerposition für den Zweitplatzierten und persönliche Anrufe bei allen anderen. Anschließend wird der Notartermin vorbereitet.
Dokumentieren Sie jeden Schritt: Daten, versendete Nachrichten, eingegangene Angebote. Falls später jemand das Verfahren infrage stellt, können Sie belegen, dass alles transparent und fair abgelaufen ist. Diese Dokumentation ist zugleich eine wertvolle Vorlage für Ihr nächstes Bieterverfahren.
Häufige Fehler
- Das erste Angebot annehmen, ohne den Eigentümer über die anderen zu informieren.
- Beträge eines Bieters ohne Zustimmung an andere weitergeben.
- Konkurrenz erfinden, um Druck zu machen.
- Nur den Preis vergleichen und Finanzierung sowie Bedingungen ignorieren.
- Vage oder unterschiedliche Fristen für verschiedene Bieter.
- Die unterlegenen Bieter vergessen.
Häufige Fragen
Muss ich ein sehr niedriges Angebot weiterleiten?
Ja. Leiten Sie jedes Angebot schriftlich weiter; der Eigentümer entscheidet, wie er damit umgeht.
Darf ich einem Bieter sagen, was ein anderer geboten hat?
Nur mit Zustimmung des Eigentümers und wenn die örtlichen Regeln es zulassen. Im Zweifel nicht.
Wie lang sollte die Frist für das letzte Angebot sein?
Meist 24 bis 72 Stunden: genug Zeit für ein Gespräch mit der Bank, ohne dass das Interesse abkühlt.
Fazit
Mehrere Angebote fair zu managen ist leicht erklärt und anspruchsvoll umgesetzt: volle Transparenz gegenüber dem Eigentümer, gleiche Regeln für alle Bieter, ein ernsthafter Vergleich über den Preis hinaus, ein Nachrücker und ein sorgfältiges Follow-up mit den Unterlegenen. Makler, die dieses Verfahren beherrschen, erzielen bessere Ergebnisse, gewinnen das Vertrauen der Eigentümer und bekommen neue Aufträge über Empfehlungen.
Beginnen Sie beim Vermarktungsstart Ihres nächsten Objekts: Testen Sie imovpro.ai und erstellen Sie Ihr Immobilienvideo mit KI in wenigen Minuten, damit jede Immobilie vom ersten Tag an stark startet.
Verwandeln Sie Fotos in Videos, die verkaufen
Laden Sie die Immobilienfotos hoch und die KI erstellt in Minuten ein professionelles Video. Kostenlos testen.
Kostenlos startenOhne Karte · 2 Videos gratis · In Minuten fertig
